Dienstag, 18 November 2025 20:34

Berlins Finanzämter setzen auf KI und Strukturwandel

Modernisierung der Berliner Finanzämter bis 2033 Modernisierung der Berliner Finanzämter bis 2033 Foto: Pexels/Pexels-Lizenz

Die Berliner Finanzverwaltung plant tiefgreifende Veränderungen, um ihre Arbeitsprozesse bis 2033 zu modernisieren. Künstliche Intelligenz, digitale Akten und Fusionen sollen dabei helfen, Personalengpässe auszugleichen und Bearbeitungszeiten zu verkürzen. Finanzsenator Stefan Evers (CDU) kündigte an, dass mehrere Standorte geschlossen und die Verwaltung deutlich effizienter organisiert werden sollen.

Inhaltsverzeichnis:

Finanzamt Steglitz als Vorreiter

Das Finanzamt Steglitz zählt laut einer aktuellen Studie zu den bestbewerteten Behörden Deutschlands. Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Bearbeitungszeit einer Einkommensteuererklärung bei nur 30,9 Tagen. Der bundesweite Durchschnitt betrug hingegen 50,8 Tage. Zehn Berliner Finanzämter befinden sich unter den besten zwanzig bundesweit. Dennoch will die Verwaltung weiter optimieren, da die Digitalisierung und der demografische Wandel neue Herausforderungen bringen. Weitere Entwicklungen in der Hauptstadtverwaltung sind auch in diesem Bericht zu Berliner Sozialämtern dokumentiert.

Neue Strukturen am Alexanderplatz und in Tempelhof

Bis 2033 werden schrittweise mehrere Berliner Finanzämter zusammengelegt. Den Beginn macht der Bezirk Mitte: 2029 zieht das neue Finanzamt Mitte ins Haus der Statistik am Alexanderplatz ein. Dort werden die bisherigen Ämter Tiergarten und Wedding integriert.

Im Jahr 2031 folgt die Fusion der Finanzämter Tempelhof und Schöneberg, wobei der Standort Tempelhof entfällt. Das Gebäude in Tempelhof wird künftig vom Finanzamt Neukölln genutzt. Das Finanzamt Berlin International mit etwa 200 Beschäftigten wird in das Gebäude des ehemaligen Amts Wedding verlegt. Diese Behörde ist bundesweit für Unternehmen zuständig, die in mehr als 100 Ländern tätig sind und in Deutschland Umsatzsteuer abführen müssen.

Ähnliche Verwaltungsanpassungen finden auch in anderen Bereichen Berlins statt – etwa im Zusammenhang mit der Verlängerung der Mietpreisbremse.

Flächenreduzierung und Personalabbau

Die Berliner Finanzverwaltung wird ihre Büroflächen um rund 30.000 Quadratmeter verringern. Diese Maßnahme betrifft vor allem gemietete Gebäude. Laut Evers sind schon jetzt nicht alle Stellen besetzt, und bis 2033 soll die Zahl der Beschäftigten um etwa zehn Prozent sinken – von derzeit rund 7.500 Mitarbeitenden. Ursache ist vor allem die Pensionierung der sogenannten Boomer-Generation.

Trotz des Personalabbaus sollen Effizienz und Kontrolle erhalten bleiben. Die Finanzämter wollen durch den Einsatz von KI mehr Ressourcen für Prüfungen und Steuerfahndungen freisetzen. Dadurch sollen Betrugsversuche bei der Umsatzsteuer schneller erkannt werden. „Egal ob Späti oder Kapitalgesellschaft, egal ob GmbH oder Einzelunternehmer, Missbrauch werden wir künftig mit höherer Wahrscheinlichkeit entdecken“, erklärte Evers.

Digitalisierung und neue Berufschancen

Im Bereich der Kapitalgesellschaftsprüfung sollen künftig nicht nur ausgebildete Finanzbeamte, sondern auch Quereinsteiger eingesetzt werden. Ihre Ausbildung wird gezielt auf bestimmte Prüfungsarten ausgerichtet. Diese Öffnung soll neue Fachkräfte gewinnen und den Personalmangel abfedern.

2024 leiteten die Berliner Finanzämter rund 5.700 Steuerstrafverfahren wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung ein, während im Vorjahr 4.565 Verfahren begonnen wurden. Zugleich wurden etwa 5.900 Fälle abgeschlossen – auch aus früheren Jahren. Die Zunahme zeigt, dass die Behörden ihre Arbeit trotz technischer Schwierigkeiten im Sommer 2025 fortsetzen konnten.

Probleme durch Software-Updates führten damals zu längeren Bearbeitungszeiten, die laut Evers inzwischen vollständig behoben sind. Die Systeme laufen stabil, Auskünfte und Steuerbescheide werden wieder fristgerecht bearbeitet.

Auch andere Berliner Einrichtungen kämpfen mit digitalen Herausforderungen, wie bei den IT-Störungen weltweit deutlich wurde.

Die Berliner Finanzverwaltung steht damit vor einem Jahrzehnt der Modernisierung. Mit der Verbindung von KI, effizienter Flächennutzung und neuen Ausbildungswegen will sie bis 2033 eine flexible, zukunftsfähige Struktur schaffen. Das Ziel bleibt klar: schnellere Bearbeitung, weniger Bürokratie und eine stärkere Bekämpfung von Steuerbetrug.

Prüfen Sie die Standorte der Finanzämter in Berlin auf Google Maps:

Karte: Google Maps

Quelle: Berliner Morgenpost, SN2WORLD