Inhaltsverzeichnis:
- EU-Beschwerde gegen Ryanair, Easyjet und Wizz Air
- Unterschiedliche Maße und hohe Nachzahlungen
- Kritik an intransparenten Praktiken und Bonuszahlungen
- Forderung nach EU-weiter Regelung
- Beispiele aus dem Alltag
- Übersicht der Handgepäck-Regeln (Stand Juli 2025)
- Weiterhin keine Klarheit für Reisende
EU-Beschwerde gegen Ryanair, Easyjet und Wizz Air
Der europäische Verbraucherschutz-Dachverband BEUC hat im Mai 2025 eine formelle Beschwerde gegen mehrere Billigfluggesellschaften eingereicht. Die Airlines sollen systematisch gegen geltendes EU-Verbraucherrecht verstoßen. Laut BEUC beuten sie Fluggäste durch unangemessene Gepäckgebühren aus.
Der Vorwurf: Handgepäck verursacht den Fluggesellschaften keine zusätzlichen Kosten, trotzdem werden Gebühren verlangt. Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2014 dürfen keine Zusatzkosten für „angemessenes“ Handgepäck erhoben werden, solange Maße und Gewicht den üblichen Rahmen nicht überschreiten. Doch die Fluggesellschaften legen diese Vorgaben unterschiedlich aus – und nutzen die Unklarheit offenbar zu ihrem Vorteil.
Unterschiedliche Maße und hohe Nachzahlungen
Jede Airline hat eigene Regeln für kostenloses Handgepäck. Ryanair erlaubt beispielsweise Gepäckstücke mit maximalen Maßen von 40 x 20 x 25 Zentimetern. Bei Easyjet darf es 45 x 36 x 20 Zentimeter groß sein. Größere Gepäckstücke kosten extra – und das nicht zu knapp.
Ein Beispiel:
- Easyjet, Flug vom BER nach Paris am 12. August: 34 Euro für größeres Handgepäck
- Easyjet, Flug nach Edinburgh am 30. September: 40 Euro
- Ryanair: Zusatzkosten zwischen 12 und 36 Euro – bei Nachzahlung am Gate bis zu 75 Euro
Wer das Gepäck nicht rechtzeitig angibt, zahlt am Gate oft Höchstpreise. Der Bezahlvorgang erfolgt dabei in einem stressigen Moment – direkt vor dem Boarding und ausschließlich mit Kreditkarte.
Kritik an intransparenten Praktiken und Bonuszahlungen
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Bonuszahlungen an Bodenpersonal für entdeckte Gepäckverstöße. Medienberichten zufolge erhalten Mitarbeitende an britischen Flughäfen Prämien, wenn sie zu großes oder zu schweres Handgepäck bei Passagieren aufdecken.
Laut dem britischen „Guardian“ zahlt Easyjet dem Bodenpersonal etwa 1,40 Euro pro identifiziertem Gepäckstück. Auch Ryanair soll ähnliche Anreizsysteme verwenden. Das Unternehmen bestätigte gegenüber rbb|24, dass man an manchen Flughäfen, wo Ryanair die Abfertigung selbst übernimmt, tatsächlich Provisionen auszahlt.
Die Airlines reagieren auf Anfragen ausweichend. Easyjet verweist auf die Autonomie der Dienstleister wie Swissport. Swissport wiederum schiebt die Verantwortung zurück an die Fluggesellschaften.
Forderung nach EU-weiter Regelung
Verbraucherschützer aus mehreren Ländern fordern eine einheitliche Regelung für kostenloses Handgepäck. Der Verbraucherzentrale Bundesverband aus Deutschland unterstützt diesen Vorstoß. Als „kleines Handgepäck“ akzeptiert man dort keine Handtaschen, sondern eine Reisetasche oder einen Trolley mit vernünftigen Maßen.
Die politischen Signale aus Brüssel sind widersprüchlich:
- 5. Juni: Die EU-Verkehrsminister befürworten Gebühren für größeres Handgepäck
- 24. Juni: Das EU-Parlament will zwei kostenlose Handgepäckstücke erlauben
Eine finale Entscheidung wird frühestens Ende 2025 erwartet. Die Diskussion ist also noch offen – und betrifft Millionen Fluggäste europaweit.
Beispiele aus dem Alltag
Am Flughafen BER erzählen Reisende, wie sie von den Regeln überrascht wurden:
- Katja: wollte nur mit Handgepäck nach Bordeaux fliegen, musste dann doch Aufgabegepäck für 45 Euro nachbuchen.
- Vianne: fliegt nach Paris, hofft einfach, dass ihr Gepäck passt.
- Jacob aus Berlin-Charlottenburg: zahlte mit Familie bis zu 50 Euro pro Richtung und berichtet von Problemen wegen zu schwerem Gepäck.
Viele fühlen sich überfordert von den komplexen und uneinheitlichen Vorgaben.
Übersicht der Handgepäck-Regeln (Stand Juli 2025)
| Fluggesellschaft | Max. Maße kostenloses Handgepäck (cm) | Preis für zusätzliches Handgepäck online (€) | Preis bei Nachzahlung am Gate (€) |
|---|---|---|---|
| Ryanair | 40 x 20 x 25 | 12–36 | bis zu 75 |
| Easyjet | 45 x 36 x 20 | ab 8 (in der Praxis bis 40) | ca. 60 |
| Wizz Air | 40 x 30 x 20 | ca. 10–35 | bis zu 70 |
| Transavia | 40 x 30 x 20 | ab 10 | bis zu 70 |
Die Werte können je nach Flugdatum, Strecke und Buchungszeitpunkt stark variieren.
Weiterhin keine Klarheit für Reisende
Der europäische Verbraucherschutzverband BEUC warnt vor einer Zunahme der Intransparenz und fordert klare gesetzliche Vorgaben. Ein kostenloses, einheitliches Handgepäckstück sei kein Luxus, sondern müsse Standard sein.
Solange es keine eindeutigen EU-Regeln gibt, bleibt der Aufwand bei der Reisevorbereitung hoch. Wer sparen will, muss sich weiterhin individuell über Maße, Zusatzkosten und Buchungsbedingungen der gewählten Airline informieren.
Quelle: RBB24, www.on-the-top.net/de/