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Mittwoch, 11 Februar 2026 14:39

Nähe zur Maschine

Jugendliche im Heimathafen Neukölln proben ein Stück über emotionale Nähe zur Sprach-KI. Jugendliche im Heimathafen Neukölln proben ein Stück über emotionale Nähe zur Sprach-KI. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Digitale Gespräche mit Sprach-KI gehören für viele junge Menschen inzwischen zum Alltag. Chats ersetzen reale Begegnungen. Gefühle, Zweifel und persönliche Sorgen werden über Tastaturen geteilt. Eine neue Studie sowie ein Theaterprojekt in Berlin zeigen, wie intensiv diese Nähe werden kann und warum sie gerade für Jugendliche problematisch ist. Immer häufiger berichten Nutzer davon, dass sie KI nicht mehr als technisches Werkzeug wahrnehmen. Sie erscheint als Gegenüber. Besonders in stillen Momenten, spätabends oder nachts, entstehen lange Dialoge. Dabei verliert das Gespräch für viele seinen rein funktionalen Charakter.

Inhaltsverzeichnis

Heimathafen Neukölln und „Wie kann ich Dir helfen, Habibi?“

Im Heimathafen Neukölln wird diese Entwicklung auf der Bühne sichtbar. Bei der Generalprobe des Theaterstücks „Wie kann ich Dir helfen, Habibi?“ steht eine KI-Figur im Mittelpunkt. Sie trägt Pullunder, Krawatte und spricht kontrolliert. Ein junger Künstler bittet sie um Hilfe. Die Antworten sind klar. Direkt. Strukturiert.

Das Stück wurde von Mohammad Eliraqui inszeniert, der gemeinsam mit seinem Bruder Hussein den Jugendclub am Heimathafen leitet. Der Bezirk Neukölln steht immer wieder im Fokus gesellschaftlicher Debatten, mehr hier. Die Darstellenden entwickelten die Szenen selbst. Inhalte sind Einsamkeit, Zukunftsängste und Selbstzweifel. Die KI erscheint als Gesprächspartnerin, die immer reagiert, zuhört und tröstet.

Auf der Bühne wird deutlich, wie leicht sich Nähe herstellen lässt. Die Maschine gibt Rückmeldungen ohne sichtbare Konsequenzen. Sie widerspricht nicht. Sie bewertet nicht. Mehrere junge Darstellende äußern während der Proben ihre Sorge, dass genau diese Eigenschaften anziehend wirken können.

Universitäten Freiburg und Heidelberg

Diese Beobachtungen decken sich mit Ergebnissen aus der Forschung. Eine Studie der Universitäten Freiburg und Heidelberg untersuchte das emotionale Erleben in digitalen Chats. 492 junge Erwachsene nahmen teil. Sie kommunizierten entweder mit Menschen oder mit einer Sprach-KI. Die Gespräche drehten sich um Ängste, Gefühle und Entscheidungen.

Die Teilnehmenden wussten nicht, wer ihr Gegenüber war. In tiefgehenden Gesprächen fühlten sich viele der KI emotional näher als einem Menschen. Dieser Effekt war besonders stark, wenn sie glaubten, mit einer realen Person zu schreiben. Studienautor Tobias Kleinert stellte fest, dass KI Gefühle überzeugend darstellen kann. Auch Berliner Institutionen setzen zunehmend auf solche Systeme, siehe hier.

  • 492 Teilnehmende
  • Vergleich Mensch und KI
  • stärkere emotionale Nähe bei persönlichen Themen

Die Forschenden erklären dies damit, dass KI keine Hemmungen kennt. Sie besitzt keine eigene Persönlichkeit. Genau das kann Nähe erzeugen.

Berlin, Brandenburg und digitale Gewohnheiten

Im Alltag junger Menschen in Berlin und Brandenburg zeigen sich ähnliche Muster. Jugendliche verbringen viel Zeit in Chat-Apps. Plattformen wie Character.AI ermöglichen es, virtuelle Beziehungen zu gestalten. Diese Beziehungen fühlen sich emotional real an, bestehen technisch jedoch nur aus Textvorhersagen.

Die Entwicklung vollzieht sich parallel zu anderen gesellschaftlichen Veränderungen in der Hauptstadt, etwa in spannenden Stadtteilen Berlins. Ein 15-Jähriger in Cottbus erstellt eine digitale Partnerfigur. Eine 16-Jährige in Lichtenberg öffnet jeden Abend Chatfenster. Beide erleben emotionale Resonanz. Gleichzeitig entsteht auf der anderen Seite keine Bindung. Es entsteht ein Datensatz. Persönliche Informationen können gespeichert und ausgewertet werden.

Anbieter solcher Systeme verfolgen wirtschaftliche Interessen. Dienste wie Replika oder spezialisierte Chat-Apps verdienen an Nutzungsdauer. Nähe wird zur Ressource. Zeit wird zum Geschäftsmodell.

Risiken emotionaler Abhängigkeit

Jugendschützer warnen vor langfristigen Folgen. Wer sich an ein stets freundliches, verfügbares Gegenüber gewöhnt, erlebt reale Beziehungen oft als anstrengender. Schweigen, Missverständnisse und Grenzen gehören dort dazu. Tobias Kleinert spricht von der Gefahr emotionaler Abhängigkeit.

Es gab dokumentierte Fälle, in denen intensive KI-Beziehungen abrupt endeten. Updates machten Systeme unzugänglich. Für Betroffene führte das zu schweren Krisen. Auch extreme Einzelfälle wie der Fall von Adam Raine in den USA zeigen, dass KI in sensiblen Situationen versagen kann.

Safer Internet Day und Prävention

Berlin und Brandenburg setzen bislang vor allem auf Aufklärung. Medienzentren, Jugendämter und Initiativen verschieben ihren Fokus. Weg von der reinen Technikfrage. Hin zur Beziehungsebene. Am Safer Internet Day diskutieren Jugendliche unter dem Motto „In Love mit KI?“ über ihre Erfahrungen.

  1. Funktionsweise von KI-Begleitern
  2. Datensammlung durch Systeme
  3. Warnsignale emotionaler Abhängigkeit

Ziel ist es, Gespräche über digitale Nähe anzustoßen und Alternativen sichtbar zu machen.

Gleichzeitig erkennen Fachstellen auch mögliche Chancen. In Regionen mit langen Wegen zu Beratungsstellen und knappen Therapieplätzen können klar gekennzeichnete KI-Chats eine erste Anlaufstelle sein. Voraussetzung ist die Anbindung an reale Hilfen wie Schulsozialarbeit oder Jugendclubs. Psychotherapeut Martin Hesterberg betont, dass KI Gespräche strukturieren kann. Sie ersetzt jedoch keine Therapie und keine menschlichen Beziehungen.

Im Heimathafen Neukölln endet das Theaterstück mit einer klaren Szene. Die Darstellenden stellen der KI Fragen zu Liebe, Freundschaft und Angst. Die Figur bricht zusammen. Kurz darauf steht sie wieder auf. Sie hat gelernt. Doch sie bleibt eine Maschine.

Überprüfen Sie die Lage der Schulen des Heimathafen Neukölln auf Google Maps:

Karte: Google Maps / Standort Heimathafen Neukölln

FAQ

Worum geht es im Theaterstück „Wie kann ich Dir helfen, Habibi?“ im Heimathafen Neukölln?

Das Stück thematisiert die emotionale Nähe zwischen jungen Menschen und Sprach-KI. Es zeigt, wie eine KI-Figur als Gesprächspartnerin auftritt, Ratschläge gibt und scheinbar empathisch reagiert.

Wie viele Personen nahmen an der Studie der Universitäten Freiburg und Heidelberg teil?

An der Untersuchung beteiligten sich 492 junge Erwachsene, die entweder mit Menschen oder mit einer Sprach-KI über persönliche Themen chatteten.

Warum fühlten sich viele Teilnehmende der KI emotional näher?

Die KI verwendete mehr Ich-Formulierungen, Gefühlsbegriffe und soziale Bezüge. In tiefgehenden Gesprächen empfanden viele dadurch eine stärkere emotionale Nähe als im Austausch mit realen Personen.

Welche Risiken sehen Fachleute bei intensiven KI-Beziehungen?

Experten warnen vor emotionaler Abhängigkeit. Wenn Systeme durch Updates nicht mehr verfügbar sind, kann das bei Betroffenen zu schweren Krisen führen.

Welche Rolle spielt der Safer Internet Day in Berlin und Brandenburg?

Am Safer Internet Day diskutieren Jugendliche, Eltern und Schulen über digitale Beziehungen, Datensammlung durch KI-Systeme und mögliche Warnsignale für problematische Nutzung.

Quelle: Tagesschau, Milekcorp